CDU in Sachsen-Anhalt: Müller stellt sich Merz entgegen und geht in die Offensive

Sepp Müller will die CDU Sachsen-Anhalt neu aufstellen – mit klarer Abgrenzung von politischen Extremen. Wie er Merz’ Kritik zurückweist und warum er nun für den Landesvorsitz kandidiert.

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CDU in Sachsen-Anhalt: Müller stellt sich Merz entgegen und geht in die Offensive

Sepp Müller will die CDU Sachsen-Anhalt neu aufstellen und dabei eine klare Abgrenzung von politischen Extremen beibehalten. Der Unions-Fraktionsvize reagiert damit selbstbewusst auf die Kritik von Friedrich Merz und erklärt, warum er nun für den Landesvorsitz kandidiert. Der Bundeskanzler hat ihn öffentlich gerügt – doch Sepp Müller lässt sich davon nicht bremsen: Nach der Wahlschlappe seiner Partei bei der Landtagswahl will der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt werden. „Ich kandidiere als Landesvorsitzender“, sagte Müller nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Magdeburg. Der 37-Jährige will die Partei mit einer klaren politischen Linie neu ausrichten. Man werde die Demokratie in der Mitte verteidigen, sagte Müller. „Es kann keine Zusammenarbeit mit der extremen Linken geben, und es kann keine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten geben“, betonte er. „Wer zu allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht.“ Die CDU müsse ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Müller dankte deshalb Sven Schulze und dem Landesvorstand dafür, einen Neuanfang zu ermöglichen. Neuwahl Ende November oder Anfang DezemberZuvor hatte Ministerpräsident und Noch-CDU-Landeschef Sven Schulze angekündigt, dass im Herbst ein neuer Landesvorstand gewählt werden soll. Die Wahl solle Ende November oder Anfang Dezember stattfinden. Auf die Frage, ob er erneut für den Vorsitz antreten wolle, sagte Schulze: „Es ist im Moment nicht mein Plan.“ Der 47-Jährige hatte die Christdemokraten als Spitzenkandidat in die Landtagswahl geführt. Die CDU fiel dabei von 37,1 Prozent im Jahr 2021 auf 17,2 Prozent. Die CDU-Landtagsfraktion schrumpfte von 40 auf 15 Abgeordnete. In den Rücken gefallen – Merz kritisiert MüllerWenige Stunden vor Müllers Ankündigung hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ihn öffentlich kritisiert. Ohne seinen Namen zu nennen, sagte Merz bei einer Pressekonferenz in Berlin, in den Parteigremien habe niemand verstanden, dass ein stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion dem eigenen Spitzenkandidaten kurz vor der Wahl derart in den Rücken gefallen sei. Müller hatte wenige Tage vor der Wahl in einem Podcast erklärt, dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Fall entsprechender Wahlergebnisse einen Regierungsbildungsauftrag erhalten müsse. Einige Christdemokraten sahen dies ähnlich, viele empfanden die Äußerung mitten im Wahlkampf jedoch als schädliches Störfeuer. Müller weist Merz-Kritik zurückAuf die Kritik von Merz reagierte Müller entschieden: „Ich teile die Äußerung unseres Bundesvorsitzenden nicht, und vor allem teilt es die breite Mehrheit unserer Landespartei nicht.“ Zugleich erklärte er, als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag an den anstehenden Reformen mitwirken zu wollen. Dabei habe Friedrich Merz „meine volle Unterstützung“. Schulze bestätigte, dass Müllers Äußerung vor der Wahl auch im Landesvorstand besprochen worden sei. Unterschiedliche Auffassungen seien möglich, die Themen müssten jedoch intern geklärt werden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Schulze übernahm im Januar von HaseloffSchulze ist seit 2021 Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt und wurde zuletzt im November 2025 auf einem Landesparteitag wiedergewählt. Nachdem Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sich im Januar 2026 zurückgezogen hatte, übernahm der damalige Wirtschaftsminister Schulze die Regierung. Bereits am Wahlabend hatten die Landtagsabgeordnete Eva Feußner und die Junge Union Konsequenzen für die Landespartei gefordert. Der CDU-Wahlkampf war stark auf Schulze zugeschnitten – obwohl die Partei Sachsen-Anhalt seit 24 Jahren in wechselnden Konstellationen regiert hatte. Was plant die AfD?AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund will bei anderen Fraktionen und einzelnen Abgeordneten nach einer Mehrheit suchen. Sein „erklärtes Ziel“ sei es, möglichst schnell eine stabile Mehrheit im Landtag von Sachsen-Anhalt zu schaffen, sagte Siegmund in Berlin. Voraussetzung sei, dass zentrale Positionen etwa bei Migration und innerer Sicherheit „zu 100 Prozent umgesetzt“ würden. Müller warf Siegmund vor, bereits sein erstes Wahlversprechen aufzugeben. „Er hat gesagt, er will eine absolute Mehrheit haben und geht jetzt mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht zusammen. Das muss auch jedem Wähler bewusst sein. Er macht halt nicht das, was er vor der Wahl gesagt hat“, sagte Müller.